Soft Skills und Professionalisierung: Entwicklung sozial-emotionaler Verhaltenskompetenzen in einem innovativen Ausbildungsmodell : Empirische Befunde aus der Ausbildung angehender Primarlehrpersonen
Conference presentation

Soft Skills und Professionalisierung: Entwicklung sozial-emotionaler Verhaltenskompetenzen in einem innovativen Ausbildungsmodell : Empirische Befunde aus der Ausbildung angehender Primarlehrpersonen

Créativité, transformations et innovations en éducation

  • 2026
German Der Lehrkräftemangel stellt Bildungssysteme vor die Herausforderung, den Berufseinstieg von Lehrpersonen zu beschleunigen, ohne die Qualität der Ausbildung zu gefährden. Die Pädagogischen Hochschule Wallis hat ein innovatives Ausbildungsmodell entwickelt, das Studierenden im letzten Jahr des Bachelorstudiums zur Primarlehrperson eine Teilzeitstelle mit Klassenverantwortung ermöglicht. Dieses Modell kombiniert Berufspraxis an einer Primarschule und durch die Hochschule angeleitete Reflexion. Begleitet durch regelmässige Beobachtungen unterstützt dieses Ausbildungsdispositiv die Verzahnung der beiden Lernorte und fördert die Alternanz zwischen Theorie und Praxis (Tobola Couchepin & Périsset, 2021). Ziel ist es die Autonomie, das Teamlernen und die Interaktionskompetenzen zu fördern, ähnlich den Prinzipien der „Team Academies“ (Tosey et al., 2015). Die dabei entwickelten Kompetenzen sind somit nicht mehr ausschliesslich Ergebnis der Ausbildung, sondern entstehen aus individualisierten, autonomen und interaktiven Lernwegen, die verschiedene Professionalisierungsmöglichkeiten einschliessen.

Neben den professionellen Handlungskompetenzen wie Unterrichten, Bildung und Erziehung spielen transversale Kompetenzen (Soft Skills) eine zentrale Rolle. Sie sind entscheidend für die Bewältigung komplexer Unterrichtssituationen und die Resilienz im Lehrberuf. Empirische Studien belegen, dass sozio-emotionale Kompetenzen deutlich zum Bildungserfolg beitragen. Sie ergänzen fachliche Kompetenzen nicht nur, sondern ermöglichen oder beschleunigen den Erwerb fachlicher Kompetenzen im Bildungssystem. Darüber hinaus tragen sozio-emotionale Kompetenzen auch zu Berufserfolg, Gesundheit, Wohlbefinden, Beziehungsstabilität und vielen weiteren Aspekten eines gelingenden Lebens bei (Mammadov, 2022; Chernyshenko et al., 2018; Lechner, 2022). 

Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des innovativen Ausbildungsdispositivs an der Pädagogischen Hochschule untersucht das Forschungsteam die Entwicklung der mobilisierten Kompetenzen und Ressourcen und vergleicht diese mit dem traditionellen System. Eine zentrale Fragestellung lautet: Welche Rolle spielen die sozial-emotionalen Verhaltenskompetenzen für die Professionalisierung angehender Primarlehrpersonen? Zur Beantwortung dieser Frage wird ein reflexiver Fragebogen eingesetzt, den die Studierenden zu drei Zeitpunkten während ihres letzten Studienjahres ausfüllen. Das Instrument umfasst die von der Hochschule definierten professionellen Handlungskompetenzen in den vier Bereichen: Unterrichten und Bilden, Praxisreflexion, Erziehung und Bildung sowie Zusammenarbeit. Zusätzlich werden die sozial-emotionalen Verhaltenskompetenzen mit dem Behavioral, Emotional, and Social Skills Inventory (BESSI) erfasst (Soto et al., 2022). Für das Projekt wird die deutschsprachige Kurzversion BESSI-G-20 verwendet (Sewell et al., 2024; Lechner et al., 2022), ergänzt um eine Übersetzung in die Zweitsprache der Hochschule. Die 20 Items decken die fünf Kompetenzdomänen ab: Selbstmanagement, soziales Engagement, Kooperation, emotionale Belastbarkeit und Innovation.

Die vorläufigen Analysen zeigen unterschiedliche Entwicklungsmuster in den sozial-emotionalen Verhaltenskompetenzen der Studierenden. Erste Tendenzen deuten darauf hin, dass einzelne Soft Skills, wie Selbstmanagement und emotionale Belastbarkeit, im Verlauf des praxisintegrierten Ausbildungsjahres unterschiedlich dynamisch ausgeprägt sind. Die weiteren statistischen Auswertungen sollen klären, in welchem Ausmass diese Muster zur Professionalisierung angehender Primarlehrpersonen beitragen und welche Konsequenzen sich daraus für die Konzeption zukünftiger Ausbildungsmodelle ergeben. Im Referat werden die zentralen Ergebnisse sowohl aggregiert für den gesamten Studiengang als auch differenziert nach den Ausbildungsmodalitäten vorgestellt. Die Diskussion wird sich insbesondere mit der Frage befassen, wie die beobachteten Muster in den Soft Skills für die Professionalisierung von Lehrpersonen interpretiert und in die Ausbildungspraxis übertragen werden können.
Research projects
Conférence
SGBF-SGL Jahreskongress 2026 in St. Gallen
Language
  • German
Classification
Education, teaching
License
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Persistent URL
https://fredi.hepvs.ch/hepvs/documents/336520
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